Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung in Freiburg hat sich mit dem Thema Kandidaten für Bürgermeisterwahlen beschäftigt. In der großen Kreisstadt Waldkirch bewerben sich gerade mal 3 Kandidaten um die Nachfolge von Oberbürgermeister Gerhard Leibinger. Herrscht offensichtlich doch „Bewerberflaute“ – so wie Wahlkampfberater Klaus Abberger sein Buch überschrieben hat? Dr. Michael Wehner, Leiter der Außenstelle Freiburg der Landeszentrale für politische Bildung nennt Gründe für mangelnde Bewerberzahlen:

  1. Wenn Amtsinhaber über viele Jahre einen guten „Job“ getan hätten und darüber hinaus noch sehr beliebt seien, würde das die Kandidatur erschweren.
  2. Die Bürger seien mündiger geworden – und würden auch mit Abwahlen von Amtsinhabern auf ihre Unzufriedenheit reagieren. Das erhöhe das Berufsrisiko von Amtsinhabern.
  3. Das „Killerargument“ schlechthin sei wohl die Bereitschaft zur „70 Stundenwoche“, an kaum einem Wochenende frei zu haben und wenig „Lebenszeit“ für sich selbst, Familie und Freunde zu haben.
  4. Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei für Bürgermeisterinnen eine ganz besondere Herausforderung. Dabei wäre es in Baden-Württemberg höchste Zeit für mehr Frauen in dieser Führungsposition, so Wehner.
  5. Auch das finanzielle Risiko wird als Grund für die Bewerberflaute angeführt. 1 Euro pro Einwohner sei eine gute Faustregel, die allerdings bedeute, dass z. B. in Waldkirch ca. 20.000 Euro als Wahlkampfbudget eingeplant werden müssten.
  6. Auch das „Hannes und der Bürgermeister-Syndrom“ wird von Dr. Wehner angeführt. Vorurteile, Filz und Vetternwirtschaft würden dem Image schaden und führten zu mehr Politikverdrossenheit. Das gelte auf der Seite der Kandidaten  – wie auch auf der Seite der Wahlberechtigten.
  7. Dennoch sei das Amt des Bürgermeisters eines der attraktivsten, das in der Kommunalpolitik zu vergeben sei. Bürgermeister/innen könnten das Gemeindeleben „nachhaltig prägen, gestalten und verändern“  – seien sie doch die „mächtigste Person der Gemeinde„.

 


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